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Wittenberg


CC-BY  Heinz-Jürgen Deuster Nachschlagen

Die Lutherstadt Wittenberg ist Kreisstadt des Landkreises Wittenberg im östlichen Teil des deutschen Bundeslandes Sachsen-Anhalt. Wittenberg wurde zur Zeit Luthers berühmt als ein wichtiges kulturelles Zentrum. Neben Martin Luther lebten hier auch Philipp Melanchton und Lukas Cranach.

In Wittenberg hatte der Kurfürst Friedrich der Weise von Sachsen eine Universität gegründet. Dort wurde Luther Doktor der Theologie. Seine Vorlesungen machten die Universität mehr und mehr bekannt.

Die Frage nach dem strafenden Gott war die zentrale Frage für Luther. Eines Tages entdeckte er im Brief des Apostels Paulus an die Römer ein anderes, ein gütiges Gottesbild: „Der Gerechte wird aus dem Glauben leben.“ Im Gegensatz zur Kirche verstand Luther Gott nun nicht mehr als einen strafenden Gott. Der Mensch kann von sich aus die Erlösung durch Gott nicht verdienen oder erarbeiten, nur Gott selbst kann den Menschen erlösen. Es ist ein liebender Gott, den Luther von nun ab predigte. Diese neue Erkenntnis von der Gerechtigkeit Gottes kam Luther in der Studierstube des Wittenberger Klosterturms. Luther bezeichnete dies später als Turmerlebnis und es soll im Frühjahr 1518 geschehen sein.

Das Gottesbild zur Zeit Luthers schuf die Grundlage für den einträglichen Ablasshandel der Kirche, die sich ohne Hemmungen der Ängste der Menschen bediente, um sich an den eingetriebenen Bußleistungen zu bereichern. Einer der erfolgreichsten Ablassprediger war der Dominikanermönch Johann Tetzel. Tetzel versprach die Vergebung sogar der schlimmsten Sünden, solange nur ordentlich bezahlt würde. »Sobald die Münz’ im Kasten klingt, die Seele aus dem Feuer springt«, lautete sein Aufruf. Von dem Geld, das da im Kasten klingelte (Ablasskasten), finanzierte der Papst unterdessen den neuen Petersdom in Rom.

Aufgeschreckt über die vielen Ablassbriefe seiner Gemeindemitglieder warf Luther der Kirche vor, mit den Ängsten der Menschen Geschäfte zu machen. Mit großer Entschiedenheit forderte er eine Rückkehr der Kirche zu ihrem eigentlichen Auftrag, eine grundlegende Reform der Kirche »an Haupt und Gliedern«.

Am 31. Oktober 1517 nagelte Luther seine berühmten 95 Thesen gegen Buß- und Ablasspraktiken an das Hauptportal der Schlosskirche zu Wittenberg. Heute ist es unklar, ob dies tatsächlich so geschah oder nur eine Legende ist. Doch die 95 Thesen gab es tatsächlich. Darin prangerte Luther die dem Evangelium widersprechende Bußgesinnung an. Luthers Worte verbreiteten sich in Windeseile durch Gutenbergs Erfindung des Buchdruckes.

Der hoch verschuldete, auf den Ablass angewiesene Kardinal Albrecht von Mainz schwärzte Luther in Rom an. Der Papst verfasste eine Bannbulle gegen Luther, in der er aus der Kirche ausgeschlossen werden soll. Schließlich wurden Luthers Schriften öffentlich verbrannt als Ketzerei. Luther wehrte sich, indem er seinerseits die päpstliche Bulle in aller Öffentlichkeit dem Feuer übergab.

Die Stadt- und Pfarrkirche St. Marien in Wittenberg ist die Mutterkirche der Reformation. In ihr wurde 1521 die erste evangelische Messe durch Justus Jonas den Älteren und Andreas Bodenstein von Karlstadt abgehalten. Sie war die Predigtkirche Martin Luthers.

Während der Zeit Luthers auf der Wartburg breitete sich die Reformation weiter aus. Mönche und Nonnen verließen ihre Klöster, Priester wendeten sich öffentlich gegen den Zölibat. Luther befürwortete das. Doch die verändernden Kräfte spalteten sich bald in verschiedene Richtungen. Zu den radikalsten Flügeln gehörten die so genannten »Bilderstürmer« aus Zwickau, die mit Gewalt in Kirchen eindrangen und mutwillig liturgische Gegenstände, Heiligenstatuen, Reliquien und Bilder zerstörten.

Luther hielt es nicht mehr auf der Wartburg, er kehrte zurück ins Leben als Theologe predigte erfolgreich gegen die bilderstürmenden »Schwarmgeister«. Die Reformation hatte sich ja zunächst nur auf die Missstände der Kirche bezogen, weitete sich aus zu sozialen Unruhen wie die Bauernaufstände im Jahr 1524. Sie kämpften gegen Fronarbeit und Leibeigenschaft.

Anfangs unterstützte Luther die Bauern in ihrem Verlangen. Weil aber die Verhandlungen zwischen Bauern und Adel scheiterten, weiteten sich die Kämpfe aus. In vielen Teilen Süddeutschlands und in der Schweiz kam zu gewaltsamen Übergriffen. Burgen und Festen wurden erobert und angezündet, Adlige vertrieben oder getötet, Klöster gewaltsam aufgelöst.

Angesichts der bürgerkriegsähnlichen Zustände wechselte Luther auf die Seite des Adels. In seiner Schrift »Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern« verlangte er die gewaltsame Niederschlagung der mordenden Bauern. Diese waren schlecht ausgerüstet und hatten schon bald gegen die Söldnertruppen der Fürsten keine Chance. Luthers Sache erlitt dadurch in der einfachen und armen Bevölkerung einen enormen Imageschaden.

Dennoch breitete sich die Reformation in Deutschland in alle sozialen Schichten aus, auch in andere Länder. Besonders Huldrych Zwingli in der Schweiz und Johannes Calvin in Frankreich und Genf waren bedeutende Reformatoren, wobei sie sich aber in wesentlichen Punkten von Luther unterschieden.

Luther heiratete am 27. Juni 1525 die ehemalige Zisterzienser-Nonne Katharina von Bora. Sie war 1523 aus dem Kloster Nimbschen (Zisterzienserinnen) geflohen und lebte seitdem in Wittenberg. Luther hatte mit ihr sechs Kinder.