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Fasching (Tiere)


CC-BY  Günter Schenk Nachschlagen

Narrenkappen, Kostüme und Masken sind untrennbar mit der Faschingszeit verbunden. Doch so zufällig wie es scheint, sind bestimmte Verkleidungen nicht in die Fastnacht gekommen. Die Wurzeln der „tierischen“ Verkleidungen reichen beispielsweise zurück bis in das Mittelalter.
Gewöhnlich standen die Tiere für bestimmte Tugenden oder Laster, die im Etymachie-Traktat, einem mittelalterlichen Sündenkatalog, festgeschrieben waren. Bis auf das Lamm als Christussymbol oder die Taube, die den Heiligen Geist verkörperte, wurden fast alle Tiere zur Verdeutlichung unmoralischen Verhaltes herangezogen.
Gefesselt oder angekettet, wie sie uns bis heute an romanischen Kirchenpforten begegnen, verkörpern Affen niemand anderen als den Menschen in den Schlingen des Teufels. Für Hrabanus Maurus, den ersten großen Kirchenlehrer, war er die personifizierte Sünde, faul, neidisch, geizig, eitel und dumm.
Auch der Bär verkörpert auf den meisten mittelalterlichen Abbildungen das Böse, getreu der Ansicht des Kirchenlehrers Augustin, das Jesus am Jüngsten Tag (siehe Jüngster Tag) Bären und Löwen erdrosselte, um die im Rachen gefangenen armen Seelen zu befreien.
Auch der Esel wird recht negativ gesehen und seine Ohren waren wichtiges Kennzeichen der ersten narren. Schon im mittelalterlichen Frankreich wurden ihm zu Ehren Schwarze Messen gelesen und Feste gefeiert, welche die kirchliche Ordnung auf den Kopf stellten. Aus diesen Eselfesten entwickelten sich im Laufe der Zeit größere karnevalistische Aktionen. Indem die närrischen Herrscher auf Eseln durch die Narrenreiche ritten, parodierten sie das biblische Vorbild, den Einzug Jesu in Jerusalem oder erinnerten an die Flucht Marias und Josefs nach Ägypten.
War der Esel das Symbol der Trägheit, stand das Schwein für Gefräßigkeit und Selbstsucht, Unwissenheit und Unmäßigkeit. Im Volksglauben kam der Teufel in Gestalt eines schwarzen Schweines mit glühendem Kopf daher, ritten Hexen auf Schweinen durch die Lüfte. Die Kirchenväter hatten die Sau entsprechend gebrandmarkt. Für Augustinus waren alle die Schweine, die Wort und Sakrament der Kirche missachteten.
Auch die Vögel wurden im Mittelalter allegorisch (siehe Allegorie) betrachtet. Besonders schlecht war der Rabe angesehen, der sich als Begleiter der Narren zeigt oder als Bote des Todes, der sich von Aas ernährt, schamlos, gefräßig, geschwätzig. Schon im AT wird der Rabe zudem als unreines Tier (siehe unreine Tiere) erwähnt.
Neben dem Fuchs, dessen Schwanz bis heute zu den Requisiten vieler narren gehört, ist der Hahn das populärste Tier im närrischern Umfeld. Sein Kamm schmückte schon den Kopf der ersten Toren, die als Gottesleugner in mittelalterlichen Psalmillustrationen erstmals auftauchten. Die Geilheit des Narren sollte so charakterisiert werden, seine ungezügelte Sexualität und Triebhaftigkeit, die man dem Hahn nachsagte.
Eine ähnliche Rolle spielten auch Bock oder Ziege. Im Volksglauben verkörpern schwarze Böcke immer wieder Teufel und Hexen. Als Sündenböcke tauchten sie im AT auf.
Obwohl in manchen Kulturen als heiliges Tier verehrt, gehörte auch die Katze im Mittelalter zu den bösen Gestalten. In ihrem Fell sollten Ketzer und Dämonen stecken, weshalb an bestimmten Tagen Katzen vom Rathausturm geworfen oder ertränkt wurden. Für den Menschen war die Katze Handlanger des Teufels, ihre Jagd auf Mäuse Symbol für die Jagd auf die Seele des Menschen.
Im fastnachtlichen Spiel des Mittelalters waren jedem Tier so bestimmte Laster zugeordnet. Bis in das 18. Jahrhundert hinein transportierten Bilder und Predigten diese Allegorien. In Holz geschnitzt oder in Stein gehauen prägten sie das Denken der gläubigen Menschen.