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Unreine Tiere


CC-BY  Ingo Koll Nachschlagen

Viele Kulturen und Religionen kennen Tiere, die als unrein gelten, mit denen man sich nicht abgeben soll, die man nicht essen oder berühren darf (siehe Koscher). So gilt das Schwein Juden (siehe Judentum) und Muslimen (siehe Islam) als unrein, der Hund den Muslimen.
Im Alten Testament und im Koran wird nicht begründet, warum bestimmte Tiere als unrein gelten. Man kann oft die Abgrenzung von anderen religiösen Vorstellungen im Hintergrund annehmen. Beispielsweise wurden in Ägypten und im Nahen Osten viele Götter in Tierform verehrt. Auch waren bestimmte Tiere typische Opfergaben für die Anbetung von Göttern in der Umgebung des Alten Testamentes. Man kann das nicht mehr in jedem Fall nachweisen, aber diese religiösen Verbindungen machten sie unrein für Mitglieder des Volkes Israel. Vielleicht hat auch manchmal ein Gefühl von Ekel mitgespielt, das je nach Kultur sehr unterschiedlich ausfallen kann (warum essen Deutsche z.B. kein Hundefleisch und keine Würmer, die von anderen Völkern gern verzehrt werden?).
Im Gesetz Moses des AT wird näher beschrieben (vgl. Lev 11,1-47 und Dtn 14,3-21), welche Tiere unrein sind. Für Säugetiere gilt: »Alles, was gespaltene Klauen hat, ganz durchgespalten, und wiederkäut unter den Tieren, das dürft ihr essen« (Lev 11,3); Dtn 14,4-5 nennt die »reinen« Tiere im einzelnen. Fische u.ä. Tiere müssen sowohl Flossen als auch Schuppen haben, um erlaubt zu sein (Lev 11,9-12). Zu den Vögeln gibt es keine allgemeine Regel; Lev 11,13-19 gibt jedoch eine Liste der unreinen Vögel, und die hier nicht erwähnten Vögel können wohl als zum Verzehr erlaubt gelten. Mit einigen in Lev 11,20-23 genannten Ausnahmen sind alle Tiere, die »Flügel« haben, sich aber auf dem Boden bewegen, verboten; ebenso Würmer, Schlangen, Schnecken usw. (Lev 11,41).
Die klassische Stelle des NT (siehe Neues Testament) für die Abschaffung des alttestamentlichen-rituellen Reinheitsverständnisses ist die Vision des Petrus von den unreinen Tieren in Apg 10,9-16. Damit werden für die Christen die Reinheitsgebote des Alten Bundes außer Kraft gesetzt. Paulus erklärt der Gemeinde in Rom, dass »nichts unrein ist an sich selbst« (Röm 14,14); der Verzicht auf bestimmte Dinge kann höchstens durch die Rücksichtnahme auf den schwachen Bruder geboten sein, eine Heilsbedeutung hat er nicht mehr (Röm 14,1ff; vgl. 1.Kor 8,1ff).

  • Quellen: Art. Speiseverbote, RGG Bd. 6 ; Art Rein und Unrein, RGG? Bd. 5; Art Speisegebote, Jerusalemer Bibellexikon ed. K. Henning in: Multi Media Bibel, Hänssler Verlag, 1997)