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Kitab-i-Aqdas


CC-BY  Dr. Armin Eschraghi Nachschlagen

arab./pers. Kitab-i-Aqdas oder al-Kitab al-Aqdas, das »Heiligste Buch« der Religionsgemeinschaft der Baha’i (siehe Bahai)

Das um 1873 verfasste Buch gilt den Baha’i als Offenbarung ihres Gründerpropheten Baha’u’llah (siehe Baha Allah) und Gesetzbuch ihrer Religion. Es beinhaltet im Einzelnen das baha’istische Kultgesetz (Pflichtgebete, Fastenregeln, Pilgerfahrten), Ermahnungen, Gesetze und ethische Gebote verschiedenen Inhalts, Bestimmungen zur Verwaltungs- und Gemeindeordnung (Nachfolgeregelung, Errichtung der institutionellen Körperschaften, finanzielle Grundlage der Gemeinde), zivilrechtliche (Eherecht, Erbrecht) sowie strafrechtliche Bestimmungen (Strafen für Mord und Diebstahl). Ferner sind dogmatische Aussagen zur Theologie, poetische und mystische Elemente sowie Bezugnahmen auf historische Ereignisse und Persönlichkeiten darin enthalten, u.a. auf Napoleon III., den preußischen Monarchen und den russischen Zaren der damaligen Zeit.

Die Bestimmungen, Gesetze und Normen gelten als göttliche Offenbarung; sie sind somit unfehlbar, für alle Gläubigen verbindlich und können für den gesamten Zeittraum der auf mindestens tausend Jahre angelegten Baha’i-Sendung nicht geändert oder aufgehoben werden. Die meisten dieser Bestimmungen haben aber grundlegenden Charakter und bedürfen im Detail der weiteren Klärung. Hierzu ist laut Baha’u’llah das oberste Gremium der Baha’i, das alle fünf Jahre gewählte Universale Haus der Gerechtigkeit, berechtigt. Es kann Bestimmungen, die im Offenbarungstext nicht eindeutig oder detailliert festgelegt sind, ergänzen und diese Ergänzungen bei Bedarf selbst widerrufen bzw. erneuern. Somit soll eine gewisse Flexibilität bei der Reaktion auf im Laufe der Zeit zwangsläufig eintretende gesellschaftliche Veränderungen gewährleistet bleiben.

Das in arabischer Sprache abgefasste Buch wurde bereits zu Lebzeiten Baha’u’llahs (1891) auf dessen Geheiß in Bombay gedruckt und kursierte auch in vielen handschriftlichen Exemplaren unter den Gläubigen. Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde es wiederholt auch in Teheran und in Kairo gedruckt. Erste Übersetzungen, z.B. ins Englische und Russische, wurden bereits Anfang des 20. Jahrhunderts publiziert. Shoghi Effendi, Urenkel Baha’u’llahs und Oberhaupt der Baha’i-Gemeinde, erstellte eine detaillierte Inhaltsangabe und begann mit einer Übersetzung ins Englische, konnte diese aufgrund seines frühen Todes (1957) aber nur zu einem Drittel fertig stellen. 1992 wurde schließlich die erste offizielle, von einem kompetenten Übersetzerteam angefertigte und ausführlich kommentierte englischsprachige Übersetzung vorgelegt; seit 2000 besteht auch eine offizielle deutsche Übersetzung. Der arabische Originaltext ist den Übersetzungen nicht beigefügt, wurde aber 1995 erneut aufgelegt, nachdem er zuvor mehrfach u.a. im Iran gedruckt worden war. Somit ist der Text heute allgemein zugänglich und auch über das Internet frei verfügbar.