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Johann Hinrich Wichern


CC-BY  Christoph Terno Nachschlagen

Der Theologe Johann Hinrich Wichern, geb. am 21. April 1808 in Hamburg, gest. am 7. April 1881 in Hamburg, gilt als Gründer und Wegbereiter der organisierten sozialen Arbeit der evangelischen Kirche (Diakonie).

Wichern war von der Erweckungsbewegung geprägt, studierte von 1828 bis 1832 Evangelische Theologie an der Universität Göttingen. Nach dem Studium wurde er Lehrer an einer Hamburger Sonntagsschule für Kinder aus Familien der Unterschicht. Im Rahmen dieser Arbeit lernte er die Verelendung der Unterschichten im Deutschland des 19. Jahrhunderts kennen. 1833 gründete Wichern in Hamburg das Rauhe Haus (Rauhes Haus), eine Anstalt »zur Rettung verwahrloster und schwer erziehbarer Kinder«.

Die zentrale theologische Vorstellung Wicherns ist die von der »Botschaft vom Evangelium der Liebe«. Dieses Konzept erläutet er 1848 auf dem Kirchentag in Wittenberg in seiner sog. »Stegreifrede«, in der er von einer »Inneren Mission« gegen geistliche und materielle Armut sowie soziale Not spricht. Dieses führt knapp ein Jahr später zur Gründung des »Centralausschusses für die Innere Mission der Deutschen Evangelischen Kirche« als Vorläufer des heutigen Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland.

1858 gründete Wichern das Johannesstift in Berlin als weitere diakonische Einrichtung; in den Kriegen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts organisiert er die »Felddiakonie«. Außerdem befasste er sich mit dem Gedanken der Resozialisierung im Strafvollzug. 1874 musste er seine Tätigkeiten aufgrund schwerer Krankheit aufgeben. Nachfolger im Rauhen Haus wurde Wicherns Sohn Johannes.