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Jan Hus


CC-BY  Michael Beisel Nachschlagen, Personen

Jan Hus wird auf dem Scheiterhaufen verbranntJan Hus war ein Universitätslehrer und Priester aus Böhmen (heute: Tschechien). Er lebte am Ende des Mittelalters von 1372 bis 1415. Beim Konstanzer Konzil ist er auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, denn man verurteilte ihn als Ketzer. Das zeigt das Bild aus einer alten Chronik des Konstanzer Bürgers Ulrich Richental.

Der Kirche ging es zu der Zeit schlecht: sie hatte nicht nur einen, sondern bis zu drei Päpste. Wem sollte man folgen? Die kämpften gegeneinander, und die Priester kümmerten sich auch nicht richtig um die Leute, sondern lieber um ihr Geld. Jan Hus hatte an der Universität in Prag studiert und wurde 1400 auch ein Priester. Er war sehr beliebt bei den Leuten: er predigte in ihrer Muttersprache Tschechisch (das war damals neu). Er wollte sich nur an das halten, was in der Bibel geschrieben war. Es gefiel ihm nicht, wie die Kirchenoberen und Priester neue Regeln machten und nur für sich selbst sorgten. Das sagte er auch: Wenn ein Priester oder Bischof oder auch ein Papst sich falsch verhielt, sollte er sein Amt verlieren. Dass die Kirche den Leuten das Geld aus der Tasche gezogen hat, fand  er gar nicht gut. Damit hat er sich aber viele Feinde gemacht.

So musste er 1412 aus Prag fliehen. Er versteckte sich an verschiedenen Orten bei Freunden.

1414 bekam er eine Einladung zum Konstanzer Konzil. Die hat ihm König Sigismund geschickt. Der fand auch, dass es mit der Kirche so nicht weitergehen konnte. Deshalb hat er alle Kirchenoberen nach Konstanz eingeladen. Diese Stadt gehörte ihm, da sollte das Konzil stattfinden. Er wollte nicht, dass die Kirche auseinanderbrach. Jan Hus versprach er, dass ihm nichts passieren würde.

Die Kirchenoberen wollten aber nicht wirklich über die Meinung von Jan Hus diskutieren. Er sollte sich ihnen nur möglichst schnell wieder unterwerfen. So wurde Jan Hus bald nach seiner Ankunft in Konstanz in den Kerker geworfen. Der König hielt sich nicht an sein Versprechen. Jan Hus war acht Monate gefangen, er wurde verhört und bedroht, aber er blieb bei seiner Überzeugung.

Zum Schluss wurde er im Konstanzer Münster feierlich verurteilt. Zuerst zog man ihm feierlich seine Priestergewänder aus, seine Schriften wurden im Hof verbrannt. Dann brachten ihn Bewaffnete vor die Stadttore. Viele Leute begleiteten ihn. Am Scheiterhaufen fragte man ihn zum letzten Mal, ob er seine Meinung ändern würde. Das wollte er nicht, also zündete man das Holz um ihn herum an. Er verbrannte am 6.Juli 1415. Auch Peter, ein Schüler und Freund von ihm schaute zu. Danach wurde die Asche von ihm in den Fluß geschüttet, damit keiner einen Platz hatte, um ihn zu betrauern.

Zuhause in Tschechien war man empört. Ritter und Bauern machten einen Aufstand gegen den König, er hatte ja sein Versprechen gebrochen. Ausserdem wollten sie eigenständig sein. Sie wurden Hussiten genannt nach Jan Hus. Der hätte einen Krieg aber nicht gewollt.

Hundert Jahre später fand Martin Luther, dass vieles von Jan Hus auch seine eigene Überzeugung war.

Du kannst ein Erklärvideo zu Jan Hus aus Konstanz (10 min) anschauen. Wenn Du Dir in Konstanz alles angeschaut hast, kannst Du auch das Quiz lösen.