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Bibelwissenschaft


CC-BY  Heinz-Jürgen Deuster Nachschlagen

Bibelwissenschaft ist der theologische Bereich, der sich zunächst um intensives Verständnis und textgemäße Erklärung der ganzen Heiligen Schrift (bei uns in den deutschen Ländern getrennt in NT und AT) bemüht, dann aber auch mittelbar und unmittelbar der Verkündigung und dem christlichen Leben (aus dem Geist der Bibel) dient.
Inhaltlich und methodisch gehört sie zu den geschichtlichen Fächern und muss sich als Text- und Sprachwissenschaft verstehen. Ihre Grundaufgabe ist die »Exegese« (der eigentlichen Texterklärung), sie klärt das Zustandekommen des Textes, die Bibeltheologie durchleutet den Text nach Offenbarungsinhalten.

Methoden der Bibelwissenschaft:
Die heutige wissenschaftliche Forschung und Erklärung der Bibel ist gekennzeichnet durch Methoden der Geschichtswissenschaft und der Sprach- und Literaturwissenschaft.
Dabei ergibt sich eine bestimmte Abfolge kontrollierbarer Arbeitsschritte:

  • 1. Textkritik: Die biblischen Bücher sind nur handschriftlich überliefert. Die Ordnung und Bewertung dieser Handschriften (unterschiedliches Alter; Qualität) mit dem Ziel, womöglich den »Urtext« wiederherzustellen, ist die Aufgabe der Textkritik
  • 2. Literarkritik: Sie geht vom textkritisch hergestellten Text aus und will dessen literarische Eigenart und Struktur erhellen. Zu diesem Zweck fragt sie nach der äußeren Abgrenzung, nach seiner Stellung im Gesamttext, nach seiner Einheitlichkeit oder zugrundeliegenden Quellen (siehe z.B. Pentateuchforschung). Dazu gehört auch die Frage nach dem Autor.
  • 3. Formgeschichte: Welche mündlich überlieferte Vorgeschichte hatte der nach 1 und 2 behandelte Text? Die Formgeschichte fragt nach der Gattung (siehe Formen und Gattungen der mündlich weitergegebenen Überlieferung, die existiert hat, bevor der Text aufgeschrieben wurde. Daraus lässt sich der Sitz im Leben schließen.
  • 4. Überlieferungsgeschichte: Sie fasst die Formgeschichte zusammen. Sie stellt die Entwicklung eines Einzelstücks einer Gattung von seiner ersten Entstehung bis zu seiner vorliegenden schriftlichen Endgestalt her.
  • 5. Traditionsgeschichte: Sie befasst sich mit der Entwicklung solcher Vorstellungen oder Motive, die nicht ihren Niederschlag in einer Gattung gefunden haben, sondern nur in der Zuordnung bestimmter Worte fassbar werden.
  • 6. Redaktionsgeschichte: In ihr geht es darum, die theologische Leitidee und Intention im Prozess der schriftlichen Überlieferung von der Erstverschriftung bis zur Endgestalt des Textes zu erheben.
  • 7. Linguistische Methoden: Durch Analysen von Textstruktuen versucht man, den Stellenwert einer Einzelaussage oder die Gesamtabsicht einer Überlieferung festzustellen.
  • 8. Gesichtspunkte der Sprach- und Literaturwissenschaft und bestimmte Methoden der Psychologie werden auch herangezogen für die Erklärung eines Textes.