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Bibel (Übersetzungsgrundsätze)


CC-BY  Mario Reinhardt Nachschlagen
  • Herkömmliche Übersetzung

Die Mehrzahl der Übersetzungen sucht den Text so wörtlich wiederzugeben, wie das in gutem Deutsch eben möglich ist (So wörtlich wie möglich – so frei wie nötig). Auf dieser Linie halten sich: Lutherbibel, Zürcher Bibel, Menge-Bibel, Einheitsübersetzung.

  • Kommunikative Übersetzung

In den letzten Jahrzehnten wurde durch die Sprachwissenschaft eine Übersetzungsmethode nach dem Grundsatz der »funktionalen Gleichwertigkeit« entwickelt. Funktionale Gleichwertigkeit ist der Gegensatz zu »formaler Gleichheit. Nach diesem Grundsatz kommt es nicht darauf an, dass Text und Übersetzung in der Form übereinstimmen (also Wort für Wort, Wortverbindung für Wortverbindung, Satzteil für Satzteil), sondern in ihrer Wirkung auf den Empfänger (d.h. in ihrer »Funktion) gleichwertig sind. Der Übersetzer untersucht und zerlegt die Aussage des Urtextes und baut diese nach den Gesetzen der eigenen Sprache wieder auf, ohne sich an formale Übereinstimmungen zu klammern.
Die »Bibel in heutigem Deutsch« wurde von den Evangelischen Bibelgesellschaften und Katholischen Bibelwerken nach diesen Grundsätzen erarbeitet.

  • Paraphrasierende (freie oder umschreibende) Übersetzung

Andere Übersetzungen orientieren sich stark am Verstehenshorizont des heutigen Lesers. Sie wollen durch Verdeutlichungen und in die Übersetzung selbst eingeschmolzene Erklärungen dem Leser beim Verstehen des Textes helfen, stehen aber in Gefahr, die Grenze zwischen Text und persönlicher Auslegung zu vermischen. Man spricht dann von einer Übertragung oder Paraphrase. Beispiele für eine Übertragung: Hoffnung für alle.

  • Begriffskonkordante (wörtliche) Übersetzung

Manche Übersetzungen richten sich stark nach dem Wortlaut des Urtextes. Eine genaue Wort-für-Wort Übersetzung ist sogar grundsätzlich nicht möglich (z.B. Lk 2,1: »Es geschah aber in den Tagen jenen ausging Erlass von Kaiser Augustus aufzuschreiben ganze die Bewohnte). Man kann aber versuchen, die tragenden Begriffe des Urtextes je durch ein gleichbleibendes deutsches Wort wiederzugeben (begriffskonkordant, d.h. eine Übereinstimmung der Begriffe anstrebend). Eine solche Übersetzung muss jedoch der eigenen Sprache oft Gewalt antun und kann zu Missverständnissen führen, weil das deutsche Wort der Ursprache (z.B. bedeutet das griechische Wort »sarx« wörtlich »Fleisch, es bedeutet aber auch Leib, Mensch, natürliche Herkunft, irdische Sphäre, irdische Gesinnung usw.).
Beispiele für begriffskonkordante Übersetzungen: Elberfelder Bibel, Buber (Übersetzung des AT)