Startseite » Nachschlagen » Weiße Rose (Flugblätter)

Weiße Rose (Flugblätter)


CC-BY  Bernd Kleinhans Nachschlagen

Die ersten Flugblätter der Widerstandsgruppe »Weiße Rose&#171, die 1942 hergestellt werden, sind eine Gemeinschaftsarbeit von Hans Scholl und Alexander Schmorell. In rascher Folge erscheinen weitere 4 Flugblätter. Ein letztes, sechstes Flugblatt im Frühjahr 1943. Die Studenten mussten dazwischen ihre Widerstandstätigkeit unterbrechen, weil etliche von ihnen an die Ostfront einberufen wurden. Die Flugblätter wurden vor allem an Akademiker, aber auch an Gastwirte verschickt. Überwiegend an Personen mit regimekritischer Einstellung, die als Multiplikatoren tätig sein konnten: Durch Weitervervielfältigung der Blätter oder doch wenigstens Weitererzählen.

Mit ihren Flugblättern verfolgte die »Weiße Rose« hauptsächlich drei Ziele:

  • Es sollte deutlich gemacht werden, dass nicht alle Deutschen hinter dem Regime standen. Es gab eine moralische Verpflichtung, gegen eine als verbrecherisch erkannte Regierung vorzugehen. Wer dies nicht tut, macht sich selbst mitschuldig.
  • Die Bevölkerung, bei der es eine verbreitete Unzufriedenheit über die Diktatur gab, sollte zu passivem Widerstand gegen das Regime ermuntert werden. Verweigerung der offenen Unterstützung von NS-Veranstaltungen, Nichtbeteiligung an NS-Aktivitäten und Sabotage in Rüstungsbetrieben war für den einzelnen Möglichkeiten. Dazu bedurfte es keiner Organisation und auch das Risiko war gegenüber offenen Aktivitäten geringer. Die »Weiße Rose« wollte allen jenen, die dazu grundsätzlich bereit waren, deutlich machen, dass sie nicht allein stehen in ihrer Gegnerschaft gegen das Regime.
  • Die Flugblätter sollten von ihrem Empfängern weiterverbreitet und so eine ganze Widerstandswelle ausgelöst werden. Wenn die Verbreitung erst weit genug war, so hoffte man, würde der passive und verdeckte Widerstand auch in offene Aktionen übergehen.

Alle Flugblätter wurden sorgfältig vorbereitet und redigiert. Großen Wert legte die »Weiße Rose« auf eine sorgfältige philosophische und theologische Begründung des Widerstandes. Eine Vielzahl von Belegen aus Schriften von Philosophen, Schriftstellern und Staatsdenkern finden sich in den Flugblättern. Der Staat, so die zentrale Begründung, habe den Zweck, dem Menschen zu dienen, seine individuelle Freiheit zu sichern und insbesondere seine geistige Entfaltung zu fördern. Das NS-Regime habe das Verhältnis zwischen Mensch und Staat pervertiert. Das Individuum habe jede Freiheit verloren und diene nur noch dazu, die Kriegsmaschine in Betrieb zu halten. Es gebe daher eine sittliche Verpflichtung des Menschen, gegen ein solches Regime Widerstand zu leisten.