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Wartburg


CC-BY  Heinz-Jürgen Deuster / Ingo Koll Nachschlagen

Über der Stadt Eisenach (Thüringen) liegt die Wartburg. Sie ist eng mit der Geschichte Deutschlands und insbesondere der Reformation verbunden.
Martin Luther versteckte sichh hier 1521/22 als Junker Jörg und übersetzte das Neue Testament (siehe Neues Testament) ins Deutsche.

Luther war nach seinem Auftritt auf dem Reichstag in Worms vom Kaiser für »vogelfrei« erklärt worden. Der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise traute dem Versprechen des freien Geleits nicht und sorgte sich um Luthers Leben. Heimlich ließ er Luther auf offener Straße entführen, so dass der Überfall wie eine Verschleppung durch kaiserliche Truppen aussah. Der Plan gelang, Luther wurde nach Eisenach verfrachtet und auf der Wartburg versteckt.

Hier schuf er sich eine neue Identität, ließ sich einen Bart wachsen und nannte sich nun Junker Jörg. Als Rittersmann in weltlicher Garderobe trat Luther nun außerhalb der Burg auf. Luther stürzte sich in das größte Werk seines Lebens, die Übersetzung der Bibel in die deutsche Sprache.

Die Texte der Bibel waren zuvor in griechisch und lateinisch überliefert. Die römisch-katholische Kirche jener Zeit wollte nicht, dass die Menschen die Geschichten der Bibel ungefiltert selbst lesen konnten. Dadurch, dass nur die katholischen Geistlichen die Bibel verstanden, war gesichert, dass nur die Lehrmeinung der Kirche an die Menschen weitervermittelt wurde.

Luther wollte unbedingt eine Bibel in einer deutschen Sprache schreiben, die auch weniger gebildete Menschen verstehen können, eine Bibel für das ganze Volk. Er wollte „dem Volk aufs Maul schauen“ und verwendete daher eine kräftige, bilderreiche, volkstümliche und allgemein verständliche Ausdrucksweise. Deswegen übertrug er schwer verständliche Vergleiche und Bilder der Heiligen Schrift, die in der Welt der Beduinen und des israelischen Volkes ihren Ursprung hatten, in die Lebenswirklichkeit der Menschen seiner Zeit.

Sein Schreibstil wirkte stil- und sprachbildend für Jahrhunderte. So ersann er Ausdrücke wie Feuertaufe, Bluthund, Selbstverleugnung, Machtwort, Schandfleck, Lückenbüßer, Gewissensbisse, Lästermaul und Lockvogel. Metaphern wie „Perlen vor die Säue werfen“, „ein Buch mit sieben Siegeln“, „die Zähne zusammenbeißen“, etwas „ausposaunen“, gehen ebenso auf ihn zurück wie „im Dunkeln tappen“, „ein Herz und eine Seele“, „auf Sand bauen“ oder ein „Wolf im Schafspelz“ und „der große Unbekannte“.

Nach der erfolgreichen Übertragung des Neuen Testaments in 11 Monaten benötigte Luther für die Übersetzung des Alten Testaments zwölf Jahre. Mit seinem Freund Philipp Melanchthon, Professor der griechischen Sprache, glich Luther seine Arbeit ab. Schließlich konnte Luther im Jahr 1534 seine Arbeit vollenden.

Auf der Wartburg verfasste Luther außerdem eine Reihe von Schriften zur Auseinandersetzung um seine Lehre. Die Wartburg wurde nach Luther eine Art Pilgerziel für evangelische Christen aus aller Welt, was sicherlich zu ihrer Erhaltung beigetragen hat.

Schon vor Luther war die um 1067 erbaute Wartburg ein wichtiger Ort für die deutsche Kultur. Hier soll um 1206 der berühmte »Sängerkrieg« stattgefunden haben (ein Wettbewerb der der mittelalterlichen Minnesänger). Hier lebte auch die hl. Elisabeth von Thüringen.

Nach der napoleonischen Besetzung in Deutschlands fand auf der Wartburg 1817 das Burschenschaftsfest zum Gedenken an die Schlacht von Leipzig und Luthers Thesenanschlag statt. Dies wurde zum Ausgangspunkt für die nationale und spätere demokratische Bewegung in Deutschlands Kleinstaaten.

Die heutige Wartburg ist größtenteils im 19. Jahrhundert unter Einbeziehung weniger erhaltener Teile neu gebaut worden.

Weitere Informationen zur Wartburg finden sich im Internet.