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Synkretismus (religionswissenschaftlich)


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Der Begriff Synkretismus wird in der Religionswissenschaft bisweilen auf andere Weise verwendet als in Theologie und Kirche.

In der Religionswissenschaft bezeichnet der Begriff zunächst – ohne zu werten – die Vermischung religiöser Traditionen (Maier 1178).
Diese Vermischung kann unterschiedliche Formen annehmen und unterschiedlich stark sein: Von der lockeren Verwendung religiöser Motive über die Kombination religiöser Ideen bis hin zu deren Vereinnahmung. Beispiele:

  • Beeinflussung des biblischen Monotheismus durch den Aton-Kult unter Pharao Echnaton
  • Jesus als die unbesiegbare Sonne, Übernahme einer Vorstellung vom Sol invictus
  • Die Vorstellung einer jungfräulichen Empfängnis findet sich auch bei anderen „Göttersöhnen“

In Theologie und Kirche stand (und steht) man einer gegenseitigen Durchdringung der jeweiligen religiösen Vorstellungswelt kritisch, wenn nicht gar abwehrend gegenüber (Apologettik): Das eigene Glaubenssystem soll möglichst frei gehalten werden von fremden Einflüssen (Vgl. Vorgrimler).

Auch muslimische Gelehrte akzeptieren die wissenschaftliche Einsicht, dass zahlreiche Glaubensvorstellungen im Islam der jüdischen Bibel und / oder der christlichen Vorstellungswelt stammen, nur begrenzt.

In Zeiten des Austausches und des Dialogs verschiedener Kulturen ist ein gewisses Maß an gegenseitiger Durchdringung religiöser Vorstellungswelten geradezu „natürlich“.

Maier, B.: Art. Synkretismus, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Freiburg u.a. 2000. - Vorgrimler, H.: Art. Synkretismus, in: Neues Theologisches Wörterbuch, Freiburg u.a. 2000.