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Rudolf Steiner


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Rudolf Steiner wurde 1861 in der damaligen Monarchie Österreich-Ungarn als Sohn des Bahntelegrafisten Johann Steiner und seiner Frau Franziska geboren. Er gilt als Begründer der Anthroposophie und der Waldorf-Pädagogik.

Kindheit

Die Kindheit Steiners war nach eigenem Bekunden geprägt von einem tiefen Erleben der Natur und übersinnlichen Phänomenen (u.a. Vorahnungen vom Tode anderer).

Studien

1879 geht Steiner in die Weltstadt Wien. Hier verbringt er seine Zeit mit verschiedenen Studien an der Technischen Hochschule. Schon bald kritisiert er den Universitätsbetrieb, dessen trocknene Bücherweisheit, die bloße Beschäftigung mit der materiellen Ebene. Steiner findet Halt gegen den Materialismus seiner Zeit – im Ich.

„Mir hat dieses Durchschauen der Wirklichkeit und Geistigkeit des ‚Ich‘ in den folgenden Jahren über alle Versuchungen des Materialismus hinweggeholfen. Ich wußte: an dem ‚Ich‘ kann nicht gerüttelt werden.“

Steiner kritisiert zugleich die „materialistischen“ Gelehrten:
„Und mir war klar, daß derjenige das ‚Ich‘ eben nicht kennt, der es als eine Erscheinungsform, ein Ergebnis anderer Vorgänge auffaßt.“

Das Ich und die Philosophie der Freiheit

1894 veröffentlichte Steiner seine „Philosophie der Freiheit“, eine Schrift, in der er dem Menschen eine Instanz innerhalb seiner selbst zuspricht, die frei und unabhängig von den äußeren Zwängen sei.

„Freiheit ist unmöglich, wenn etwas außer mir meine moralischen Vorstellungen bestimmt. Ich bin nur dann frei, wenn ich selbst diese Vorstellungen produziere; nicht, wenn ich Beweggründe, die ein anderes Wesen in mich gesetzt hat, ausführen kann. Ein freies Wesen ist dasjenige, welches wollen kann, was es selbst für richtig hält.“

In der Theosophischen Gesellschaft

1901 trat Steiner, auf deren Bitte hin, der Theosophischen Gesellschaft bei. In ihr sollte sich um eine Pflege des Wissens vom Übersinnlichen bemüht werden. Steiner übernahm die Leitung der deutschen Sektion.

„Infolge dieser Vorträge wurde ich aufgefordert, in die „theosophische Gesellschaft“ einzutreten. Ich kam dieser Aufforderung nach in der Absicht, niemals etwas anderes zu vertreten als den Inhalt dessen, was sich mir als anthroposophische Weltanschauung ergeben hatte. Meine Ansicht war stets, dass ich vor allen Menschen vortragen solle, die mich hören wollen, gleichgültig wie der Parteiname lautet, unter dem sie sich zu irgendeiner Gruppe zusammengeschlossen haben, oder ob sie ohne alle solche Voraussetzung zu meinen Vorträgen kamen.“

Aufgrund unterschiedlicher Ansichten u.a. was die Bedeutung des Jesus von Nazaret betraf, trennte sich 1912/13 die deutsche Sektion von der Theosophischen Gesellschaft, die Anthroposophische Gesellschaft wurde gegründet.

Die Christengemeinschaft

1922 gab Steiner als Privatmann (außerhalb der anthroposophischen Bewegung), auf Bitte junger Menschen hin, die Formen für einen erneuerten christlichen Kultus. Die so entstandene Christengemeinschaft kennt Priester und Sakramente ebenso wie sie auf Liturgie und Feste im Jahreskreis Wert legt; sie wird jedoch aufgrund wesentlicher Unterschiede zur christlichen Botschaft von den christlichen Kirchen nicht als christlich anerkannt.

Erziehungskunst auf anthroposophischer Grundlage

Es liegt in den vielseitigen Interessen Steiners und seinem rastlosen Forschen begründet, dass dieser sich auch der Frage gewidmet hat, wie Kinder ihrem Alter und ihrem Wesen entsprechend zu erziehen seien.
Die Pädagogik Steiners ist oftmals nur unter dem Namen „Waldorf-Pädagogik“ bekannt, was die religiöse, d.h. theosophische Herkunft verdeckt. Steiner hat – anders als seine Nachfolger – ganz offen von einer „anthroposophischen Pädagogik“ gesprochen, die das Menschenbild der Anthroposophie unabdingbar voraussetzt.

Rudolf Steiner hat in zahlreichen Bereichen gewirkt und Ideen verwirklicht (etwa in der Landwirtschaft). Er verstarb 1925 in der Schweiz.

Ullrich, H.: Rudolf Steiner: Leben und Lehre. München 2011. - Steiner, Rudolf: Mein Lebensgang (TB 636), Dornach 1983.