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Orthodoxe Kirche


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(von griech. orthodox = rechtgläubig)

Die Orthodoxe Kirche ist einer der drei großen Zweige der Christenheit, wobei sie in historischer Kontinuität zu den Gemeinden steht, die von den Aposteln in den östlichen Mittelmeergebieten gegründet worden sind und die sich dann durch Missionstätigkeit in ganz Osteuropa ausgebreitet haben. Die Orthodoxe Kirche hat allerdings inzwischen auch Gemeinden in Westeuropa, in der westlichen Hemisphäre und in jüngerer Zeit in Schwarzafrika und Asien. Ihre Gläubigenzahl beträgt derzeit mehr als 250 Millionen Menschen in aller Welt.

In organisatorischer Hinsicht ist die Orthodoxe Kirche eine Gemeinschaft unabhängiger Kirchen. Jede von ihnen ist autokephal (griech. mit eigenem Haupt), d.h. sie wird von einem eigenen vorstehenden Bischof geleitet. All diese autokephalen Kirchen sind eins im gemeinsamen Glauben, den gemeinsamen Prinzipien der kirchlichen Organisation und Lebensordnung und in der gemeinsamen liturgischen Tradition (siehe Liturgie). Nur die im Gottesdienst verwandten Sprachen und einige Aspekte der Tradition unterscheiden sich von Land zu Land.

Ein »Ehrenprimat« kommt dem Patriarchen in Konstantinopel (heute: Istanbul / Türkei) zu, denn die Stadt war ja einst der Sitz des Oströmischen oder Byzantinischen Reiches, das zwischen 320 und 1453 das Zentrum der ganzen östlichen Christenheit war. Seit dem 6. Jahrhundert trägt der Erzbischof von Konstantinopel daher auch den Titel eines »Ökumenischen Patriarchen. Er hat jedoch niemals – weder in der Vergangenheit noch in heutigen Zeiten – eine Autorität besessen, die jener zu vergleichen wäre, die der Papst im Westen ausübt: Der Patriarch besitzt keine administrativen Vollmachten über sein eigenes Gebiet hinaus. Seine Stellung ist die des Ersten unter Gleichen. Das Patriarchat von Moskau und Russland ist hingegen heute die bei weitem größte orthodoxe Kirche, nachdem es die schwierige Periode der Verfolgung nach der russischen Revolution von 1917 überlebt hat.

In ihren Glaubenserklärungen und liturgischen Texten unterstreicht die Orthodoxe Kirche, dass sie an jenem Glauben festhält, der während des ersten Jahrtausends der christlichen Geschichte in Ost und West gemeinsam war. Die Sorge um Kontinuität und Tradition, welche für die Orthodoxie charakteristisch ist, darf aber nicht einfach als eine blinde Verehrung der Vergangenheit als solcher interpretiert werden, sondern man kann sie richtig verstehen als Sinn für Identität und Übereinstimmung mit dem ursprünglichen Zeugnis der Apostel. Da die Kirche nicht allein aus Bischöfen oder Geistlichen besteht, sondern ebenso auch aus allen anderen Gläubigen, betont die Orthodoxe Kirche dabei entschieden, daß Hüter der Wahrheit das ganze »Volk Gottes« ist.