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Liberaler Islam


CC-BY  Dr. Reinhard Kirste Nachschlagen

Neue Impulse innerhalb der von Muslimen geführten Debatte um die rechte Interpretation der Offenbarung des Propheten Mohammed und die daraus abzuleitenden gesellschaftlichen Konsequenzen haben sowohl westliche Islam-Theologen wie solche aus der islamischen Welt z.B. aus Indonesien vorangetrieben. Zu ihnen zählen z.B. Ulil Abshar-Abdalla, (geb. 1967, Indonesien), Mohamed Arkoun (1928–2010, Frankreich), Soheib Bencheikh (geb. 1961, Frankreich), Abdelmajid Charfi (Tunesien), Farid Esack (geb. 1959, Südafrika), Mohamed Talbi (geb. 1921, Tunesien) Nasr Hamid Abu Zaid (1943–2010, Ägypten), Fatima Mernissi (geb. 1940, Marokko), Chandra Muzaffar (geb. 1947, Malaysia), Amina Wadud-Muhsin (geb. 1952, USA), Seyyed Hossein Nasr (geb. 1933, USA), Fazlur Rahman (1919-1988, Britisch-Indien, England, USA), Abdul Karim Sorush (geb. 1945, Iran), Mohammed Taha (1909/1911–1985, Sudan) Ömer Özsoy (geb.1963, Türkei, lebt z.Zt. in Frankfurt/M.)

Dieser mit dem unscharfen Wort bezeichnete „liberale Islam“ beinhaltet bei aller Unterschiedlichkeit folgende Schwerpunkte: Die Idjtihad (arabisch = Tor der Auslegung) bedeutet die Möglichkeit, den Koran und die Hadithe unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen, also im Blick auf die Gegenwart hin zu interpretieren. Damit wird eine vernunftgemäße Textkritik und eine aktualisierende Hermeneutik religiöser und damit auch geoffenbarter Texte möglich. So wird neben der Itjitahd die Fitra (arabisch = der natürliche Sinn) zur Beurteilung wichtig. Die westliche Moderne wird dabei nicht im Sinne eines islamischen Gegenentwurfs gesehen, sondern fordert zu geistiger Begegnung und zu interreligiösem Dialog heraus. Islam und Demokratie sind von daher vereinbar und die Gleichberechtigung der Geschlechter wird ebenfalls aus dem Koran abgeleitet.. Es gibt darüberhinaus größere Variationsmöglichkeiten im rituellen Gebet und der Durchführung religiöser Pflichten.

siehe Reformen im Islam (Neuzeit)