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Holic-Gruppe


CC-BY  Mario Reinhardt Nachschlagen

-Ursprung:
Die Holic-Gruppe wurde in den siebziger Jahren von Gottfried Holic (sprich Holitsch) in Wien gegründet. Inzwischen ist sie vor allem in Sachsen, Berlin, Baden-Württemberg, den Niederlanden und Osteuropa aktiv.

  • Lehre:

Es ist keine spezielle eigene Sonder-Lehre vorhanden, sondern eher ein Absetzen gegenüber dem Feindbild Kirche und der sündigen Welt zu beobachten. Sie betonen, dass nur sie wirklich nach der Bibel leben würden – wie überhaupt ihr besonderes Augenmerk auf moralische Lebensführung und Gemeindestruktur gerichtet ist. Erst an der Begegnung mit ihnen könne sich entscheiden, ob jemand ein wirklicher Christ ist. Dieser würde sich ihnen sofort anschließen.

  • Lebensweise:

Man lebt meist in Wohngemeinschaften und soll alles (geistlich wie materiell) miteinander teilen. Auch wer außerhalb lebt, sollte sich mindestens einmal am Tag mit der Gruppe treffen. Eine Privatsphäre gilt als sündhafte Absonderung. Wenig Augenmerk wird auch auf Äußerliches gelegt, man lebt bewusst einfach, ohne direkt verwahrlost zu sein. Lange, ermüdende Wanderungen und ausgedehnte Bibellesung sind üblich. Alles Bemühen richtet sich darauf, möglichst vollkommen nach der Bibel zu leben (bzw. was von der Gruppe als bibelgemäßer Lebensstil vorgegeben wird) und ständig für Gott tätig zu sein. So gilt selbst das Beschäftigen mit Musik und anderen schönen Dingen als verschwendete Zeit, die man lieber im unermüdlichen Dienst für Gott (zum Missionieren) einsetzen sollte. Persönliche Freundschaften wie auch Sexualität werden als egoistisch abgelehnt.
Von geworbenen Anhängern sind die typischen Sektenphänomene bekannt: radikaler Wandel von Wertorientierung und Lebensform innerhalb weniger Tage, Abbruch bzw. Einschränkung des Kontaktes zu allen Außenstehenden (man müsse sich von allen Sündern, d.h. Nicht-Sektenmitgliedern trennen), mitunter Abbruch der Berufsausbildung bzw. des Studiums, Einbringung der privaten Ersparnisse in die Sekte sowie psychische Abhängigkeit.

  • Werbung:

Sie gehen gezielt in kirchliche Jugendgruppen. Entsprechende Termine und Zeiten (von Jugendstunden, Bibelkreisen, Veranstaltungen) werden im weiten Umkreis der jeweiligen Niederlassung gezielt gesammelt. So gut wie jeden Abend sind Sektenmitglieder zu »Missionen« unterwegs. In der jeweiligen Gruppe versuchen sie entweder sofort das Gespräch an sich zu reißen oder sie sprechen später Mitglieder an, die ihnen nicht voll in die Gruppe integriert erschienen. Beliebt ist auch die Werbung am Rand kirchlicher Großveranstaltungen. Geworbene werden aus ihren bisherigen Sozialbezügen gelöst und voll in die Gruppe eingespannt. Zu erkennen ist die Sekte an der Selbstbezeichnung »Wir sind Christen« (sie lehnen jeden Konfessionsbegriff oder sonstigen Namen für sich ab), sowie der ausgeprägten Kirchenfeindlichkeit. Bei der Werbung versuchen sie meist ihre Herkunft zu verschleiern. Eine neuere Werbestrategie seit ca. 2001 besteht darin, mit meist handgeschriebenen Plakaten Menschen einzuladen, die auf der Suche nach Gott oder dem Sinn des Lebens sind. Angegeben sind meist eine Handy-Telefonnummer bzw. eine Homepage der Sekte.

  • Verbreitung:

Österreich, Sachsen, Ungarn, Tschechien, Polen, Litauen, Berlin, Raum Stuttgart, Niederlande. In Sachsen ist ihre Niederlassung in Radebeul bei Dresden (früher bestanden auch Wohngemeinschaften in Hausdorf bei Rochlitz, Oelsnitz/Vogtl. und Dresden). Der Schwerpunkt der Aktivitäten hat sich seit 2001/2002 wieder aus Sachsen weg verlagert. Insgesamt ca. 200 – 500 Mitglieder.