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Arthur Schopenhauer


CC-BY  Francesco Ficicchia Nachschlagen

Deutscher Philosoph (1788-1860) und Vertreter des philosophischen siehe Idealismus.

Seine Philosophie stützt sich auf die zentrale Kernaussage, wonach die Welt als Wille und Vorstellung besteht. Die Welt ist nicht real, sondern Objekt in Beziehung auf ein Subjekt; sie ist Anschauung des Anschauenden und eben deshalb nur in der Vorstellung existent. Somit gibt es kein Objekt ohne Subjekt, und kein Subjekt ohne Objekt. Die Welt ist zugleich Wille. Das Wesen des Menschen liegt nicht im Denken, nicht im Bewusstsein und nicht in der Vernunft. Das Bewusstsein ist lediglich die Oberfläche unseres Wesens – die Oberfläche eines tiefen Wassers -, während die eigentlichen Triebkräfte in den Tiefen des Unbewussten liegen. In diesem geheimnisvollen Inneren ist es der Wille, der den Intellekt antreibt. Die Menschen werden nur scheinbar von vorn gezogen, in Wirklichkeit jedoch von hinten geschoben. Sie sind getrieben von dem unbewussten Willen zum Leben. Doch nicht nur der Mensch, sondern alle in Raum und Zeit gegebenen Erscheinungen sind Objektivationen des Willens. Die im Lauf der Gestirne zutage tretende Kraft ist ebenso unterbewusster Weltwille. Die stärkste Ausprägung des Willens zeigt sich im Trieb zur Fortpflanzung, der stärker als alles Denken in Erscheinung tritt.

Der Wille ist unermüdlich und unendlich, die Erfüllung jedoch beschränkt. Demnach können wir nie dauerndes Glück noch Ruhe finden. Auf jede befriedigte Begierde folgt sogleich eine neue. Jedem Ungemach folgt neues Übel. Das Leben besteht aus ständiger Plackerei oder – in der Umkehr – aus Langeweile. Unser ganzes Dasein ist bestimmt von Kampf, Krieg, Vernichtung, Fressen und Gefressenwerden. Der Optimismus ist ein bitterer Hohn auf die ungezählten und namenlosen Leiden der Menschheit. Das schwerste Schicksal des Menschen ist aber die Einsamkeit. Am Ende ist jeder mit sich allein. Die einzige Konstante im Leben ist das Leiden und das Glück ist nicht mehr als ein ephemerer und illusionärer Zustand.

Schopenhauers Philosophie ist tief von hinduistischen und buddhistischen Einflüssen durchdrungen – namentlich, was die Einschätzung des Leidens, der Begierde und der karmischen Gesetzmäßigkeit betrifft. Sich selbst bezeichnete er als den »ersten Buddhisten Europas«. Allerdings waren Schopenhauers Kenntnisse des Buddhismus noch sehr unvollständig, was zu einigen Fehleinschätzungen in seinen Werken führte. Dennoch wird er als Wegbereiter des Buddhismus im Westen gesehen und trug seine Philosophie viel zur abendländischen Buddhismus-Rezeption bei.

Das größte Verdienst Schopenhauers besteht darin, der Philosophie die Augen geöffnet zu haben für die dunklen Tiefen, die unterhalb der Oberfläche des menschlichen Bewusstseins liegen. Er gilt deshalb auch als Vater der Psychologie des Unbewussten.