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Spaßgesellschaft, Erlebnisgesellschaft


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Die Begriffe meinen im Grunde Ähnliches, nämlich dass der Egoismus des Einzelnen in der heutigen Gesellschaft überhand genommen hat und sich dies darin ausdrückt, dass das Heil des Menschen in möglichst viel Genuss gesucht wird.
Der Begriff der Spaßgesellschaft rührt aus den 90er Jahren und drückt einen von einigen Menschen empfundenen Missstand der Gesellschaft aus. Es geht um die Überdimensionierung des Wertes von Spaß in der Gesellschaft. Kritisiert wird der gesellschaftliche Hang zu einem Mehr an ständigem Amüsement, der beispielsweise die Bedürfnisse der Mitmenschen in den Hintergrund treten lässt. Ähnliches beschreibt der Begriff der Erlebnisgesellschaft, der im Gegensatz zu dem der Spaßgesellschaft klarer zu definieren ist. Gerhard Schulze beschreibt 1992 unter dem Titel „Die Erlebnisgesellschaft“ die Suche nach Erlebnissen als die unmittelbarste Form der Suche nach Glück. Verknüpft mit dem Begriff der Erlebnisgesellschaft sind auch immer Begriffe wie Erlebnisoptimierung, welcher das ständige Streben nach einem Mehr an Erlebnis bezeichnet. Allerdings scheint die ständige Such nach Glück die Menschen nicht unbedingt glücklicher zu machen, vor allem dann nicht, wenn die Erlebnisse nur eine kurz andauernde Befriedigung der Suche nach Glück bieten. Auch kritisiert werden die Werbe- und Freizeitindustrie, die ganze Erlebniswelten (Einkaufszentren, Freizeitparks) erschaffen.
Beschleunigt wurde die öffentliche Debatte um die Spaß- bzw. Erlebnisgesellschaft vor allem durch die Vorkommnisse des 11. Septembers 2001, im Zuge derer ein heftiger Diskurs über gesellschaftliche Werte geführt wurde. Bücher wie „Schluss mit lustig! das Ende der Spaßgesellschaft“ des Journalisten und Theologen Peter Hahne wurden in der Folge Bestseller und sahen den 9/11 als Wendepunkt der Ausrichtung unserer Kultur und Gesellschaft.
Bei den Begriffen der Spaß- und Erlebnisgesellschaft, die Ähnliches meinen, geht es um eine Kritik an Überbetonung des Hedonismus gegenüber den als traditionell bezeichneten Werten (beispielsweise Solidarität oder Anstrengung).