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Offenbarung des Johannes


CC-BY  Heinz-Jürgen Deuster Nachschlagen

Die Offenbarung ist am Anfang und am Schluss wie ein damals üblicher Brief an die urchristlichen Gemeinden gehalten. Ihr Inhalt besteht aber aus Visionen der nahen Endzeit, die dem Verfasser vor kurzem vom Himmel her zuteil geworden seien, damit er sie den Gemeinden auf Erden mitteile.

Der Verfasser glaubt, dass Jesus seine Herrschaft antritt (Offb 4), was gleichzeitig als Anfang des Weltendes gesehen wird. Gott richtet über alle Mächte und ihre Vasallen und errettet die Auserwählten zum ewigen Heil. Der Seher sieht dies in Abschnitten eintreten: Die sieben Siegel eines himmlischen Buches werden von Christi Hand gebrochen und schreckliche Katastrophen werden von Gott über die Erde geschickt (Offb 6). Die Gemeinde der Getreuen wird aber verschont. Es folgen sieben himmlische Posaunenstöße, durch die gesteigertes Unheil anbricht (Offb 8-9).

Es folgt ein Zwischenstück über den Sturz Satans aus dem Himmel, dessen Folge das Auftreten des Antichristen auf der Erde ist. Dieser verfolgt die Gottesgemeinde, die jedoch zum letzten Sieg gerüstet ist. Aus sieben Schalen wird das Weltgericht Gottes über die Erde gegossen vom Zionberg in Jerusalem. Die Hauptstadt des Antichristen wird besonders getroffen: »Babylon« ( = Rom, Offb 17-19). Jesus kommt als Sieger hernieder und vernichtet den Satan und bindet ihn für tausend Jahre. Trotzdem kehrt dieser aber noch einmal zurück und wird schließlich ewig vernichtet und die neue, ewig-heile Welt Gottes bricht an (Offb 21-22) .

Die Situation des Buches lässt sich am ehesten aus dem Ende der Regierungszeit des Kaisers Domitian (81-96 n.Chr.) datieren, die Abfassungszeit etwa im 2. Jahrhundert. Das schließt Johannes, den Jesusjünger als Schreiber aus, auch gibt es keine Übereinstimmungen im Schriftstil mit dem Autor Johannes des Johannes-Evangeliums und der Johannes-Briefe.

Man muss zum Verständnis der Offenbarung des Johannes die geschichtliche Lage berücksichtigen, in der sie geschrieben wurde. Die Gemeinden Kleinasiens haben Zeiten blutiger Christenverfolgungen erlebt und sehen noch schrecklichere Bedrängnisse vor sich. Diese gehen von den Behörden des römischen Staates aus, die die Anerkennung des Kaisers anstelle des Messias fordern. So erscheint der Kaiser als Antichrist und die Gemeinde des Verfassers wünscht sich nicht sehnlicheres als den Fall und Untergang des Römischen Reiches. Von daher ist ihre Heilserwartung so stark durch ihre Gerichtserwartung geprägt: Das Endheil Gottes erwächst aus einem Meer von Blut, in dem die Gottesrache an all denen, die Gottes Auserwählte verfolgt und zu Tode gebracht haben, vollstreckt wird.