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Christenverfolgung (Römisches Reich)


CC-BY  Heinz-Jürgen Deuster Nachschlagen

Römische Kaiser versuchten mehrfach, das sich ausbreitende Christentum, das von einer jüdischen Sekte mehr und mehr zur eigenständigen Kraft wurde, durch Verfolgungen zu dämpfen.

Vor den Römern war allerdings Saulus von Tyrus der erste entschlossene Christenverfolger, der der Steinigung des ersten Märtyrers Stephanus mit Wohlwollen beiwohnte (Apg 7,54-8,1). Der erlebte jedoch die Bekehrung und war fortan als Paulus entschlossenster Verfechter des neuen Glaubens (Apg 9f.).

Die erste organisierte Verhaftung von Christen unternahm Kaiser Nero im Jahre 64. Allerdings beschränkte er seine Maßnahmen auf die von Petrus und Paulus in Rom begründete Gemeinde der Stadt Rom. Den Christen wurde vorgeworfen, den Brand Roms verursacht zu haben. Man betrachtete in den Christen eine der vielen Sekten der Juden und gegen die unternahm Rom wenig später den Feldzug Vespasians (67n.), der in der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem gipfelte.
Nach Nero ging Kaiser Domitian erneut gegen den jungen Glauben vor, doch bereits Kaiser Trajan unterband um 112 grundlose Anschuldigungen und erließ Anweisung, anonymen Anzeigen nicht weiter nachzugehen. Die christlichen Gemeinden blieben weitgehend unbehelligt.
Zu einer Bedrohung des Christentums wurden erst wieder die Regierungen des Decius (248-251 n. Chr.), der das Volk geschlossen zum Opfer antreten und die Teilnahme per Opferschein bestätigen ließ und die des Valerian (253-269 n. Chr.), die zunächst auf die Führungen der Gemeinden zielte und sich zu systematischer Verfolgung ausweitete.
Weitere Verfolgung brachten die Unterdrückungsversuche unter Diokletian, der sich als Verkörperung des Jupiter verehren ließ, und die Verfolgungen des Galerius Anfang des 4. Jahrhunderts. In dieser Zeit wurden etliche Christen zu Märtyrern, deren meist übertrieben grausames Ende in den Heiligenlegenden lebhafte Schilderung erfuhr .
Aber das Christentum war längst ein Massenphänomen geworden und die Standhaftigkeit der Christen beeindruckte die Bewohner des längst morschen Imperiums mehr, als dass sie wegen der Gewalt von diesem Glauben ließen.
313 schließlich gewährte Konstantin mit dem Mailänder Edikt auch dem Christentum Religionsfreiheit, das 380 sogar zur Staatsreligion wurde. Nun kehrten sich die Verhältnisse um und die christlichen Machthaber begannen ihrerseits, gegen die hergebrachten heidnischen Kulte vorzugehen, besonders aber traf ihre Gewalt Abweichler in den eigenen Reihen.
Die Begründung für die Christenverfolgungen waren weniger der Glaube an Jesus Christus, denn Rom verfolgte zwar eine brutale imperialistische Politik, zeichnete sich nach innen aber durch außerordentliche Toleranz gegenüber fremden Religionen aus. Sogar die Gottheiten verfeindeter Völker wurden niemals in Frage gestellt, sondern bereitwillig in das Pantheon aufgenommen.
Vielmehr machten sich die Christen strafbar, weil sie sich weigerten, die staatlich vorgeschriebenen Abgaben und Dienste zu leisten, insbesondere den Kaiserkult betreffend, der als Klammer die Einheit des Reiches trotz der Verschiedenheit der Kulturen fördern sollte, bei Juden und Christen allerdings wegen ihres streng monotheistischen Glaubens auf Ablehnung stieß.
Allerdings war dieser Kaiserkult wohl nicht so übertrieben, wie man es sich vielleicht vorstellen mag, denn Juden und Christen waren von der Pflicht entbunden, den römischen Staatsgöttern zu huldigen. Auch sagte Jesus selbst, man solle dem Kaiser geben, was des Kaisers ist, mit Blick auf eine römische Münze, die das Konterfei des Kaisers, vermutlich Augustus, trug (Mk 12, 13-17).