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Totenbeschwörung


CC-BY  Heinz-Jürgen Deuster Nachschlagen

In der Umwelt Israels (von Ägypten bis Mesopotamien) wurde die Totenbeschwörung gepflegt. Der Versuch, über die Toten etwas über das kommende Schicksal der Lebenden zu erfahren, führte in Babylon dazu, dass eine eigene Klasse von Priestern für diese Aufgabe zuständig war. In Israel gab es zwei gegensätzliche Erscheinungen: einerseits wucherte in den völkisch stark vertretenen nicht- oder nur halbjahwistischen Kreisen die Totenbeschwörung, andererseits gab es entschiedene Ablehnung von seiten der Jahweverehrer. Da man mit Hilfe der Totenbeschwörung von jener Offenbarung, die Jahwe vorenthielt, etwas zu erfahren hoffte (1.Sam 28,5-7), bedeutete dies einen Eingriff in die Souveränität Gottes. Daher nennt das Deuteronomium diese Praktik einen Frevel vor Jahwe (Dtn 18,9-11), womit man sich verunreinige (Lev 19,31). Denn die Toten in der Unterwelt existieren zwar weiter, sind aber vom erfüllten Leben auf der Erde abgeschnitten (siehe Ps 88,5-7 und Ps 88,11-13) und wissen nichts mehr über dieses Leben hier (Koh 9,5-10).
Doch in breiten Kreisen der Bevölkerung verlor die Totenbeschwörung nichts von ihrer Anziehungskraft. König Saul wandte sich, als die Worte Jahwes ausblieben, an eine Totenbeschwörerin. Er konnte den in der Beschwörung erscheinenden (toten) Samuel nicht sehen, aber das aussichtslose Schicksal (dass Gott Saul verlassen hat) hören (1.Sam 28,8-20). Dass es sich um eine vorjahwistische, kanaanitische Praktik handelte, wusste man natürlich (Dtn 18,11). Wenn kein Totenbeschwörer da war, erhoffte man sich durch das Verweilen auf dem Grab bzw in den Grabkammern etwas von den Toten zu erfahren (Jes 65,4). Diese Form der Religionsausübung widersprach aber dem Jahweglauben siehe Lev 20,27.

siehe auch Tod (biblisch)