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Nestorianismus


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Nestorianismus ist eine Lehre, die von Nestorius vertreten wurde, der 428 bis 431 Patriarch von Konstantinopel war.

Nach der orthodoxen Auffassung hat Christus zwei Naturen, eine göttliche und eine menschliche. Diese sind zwar verschieden, aber in einer Person und in einem Stoff vereint. Nestorius behauptete dagegen, in Christus gäbe es eine göttliche und eine menschliche Person, die sich aber nicht zu einer einzigen Person verbunden hätten. Auch dürfe Maria nicht Mutter Gottes (Gottesgebärerin)genannt werden, denn ihr Sohn Jesus sei als Mensch geboren und seine göttliche Natur stamme nicht von Maria, sondern von seinem Vater Joseph, der ihn gezeugt habe.

Die Lehren des Nestorius verbreiteten sich im frühen 5. Jahrhundert im ganzen Byzantinischen Reich und führten zu heftigen Auseinandersetzungen. 431 erklärte das Konzil von Ephesus die Ansichten »Nestorius« zur Häresie. Unter der Führung von Cyrill, dem Patriarchen von Alexandria, setzte das Konzil Nestorius ab und verurteilte seine Lehre. Die Versammlung erklärte, dass Jesus Christus wahrer Gott und wahrer Mensch sei, dass er zwei Naturen, eine menschliche und eine göttliche, in seiner Person vereine. Als logische Konsequenz dieser Ansicht bestätigte das Konzil den Titel Marias als »Gottesmutter« (griechisch: »theotokos«, »Gottesgebärerin«). Nestorius wurde als Patriarch abgesetzt und aus dem Reich vertrieben, seine Anhänger verfolgt.

Als 489 ein großer Teil der Nestorianer vor den Verfolgungen im Römischen Reich nach Persien floh, bildeten sie dort eine von der Reichskirche getrennte religiöse Gemeinschaft, dann entstanden auch in Arabien und Indien nestorianische Diözesen. In Persien sahen sich die Nestorianer zunächst zeitweiliger Verfolgung ausgesetzt, nach der Eroberung Persiens durch die Araber 637 wurde ihnen jedoch von den Muslimen gesetzlicher Schutz gewährt.

Aufgrund ihrer erfolgreichen Missionstätigkeit konnten die Nestorianer zwischen dem 7. und 14. Jahrhundert weitere Gemeinschaften in Zentralasien, in der Mongolei und in China gründen; im riesigen Mongolenreich des 12./13. Jahrhunderts oblag die Verwaltung weitgehend nestorianischen Christen, viele der mongolischen Prinzessinnen waren Nestorianerinnen. Die meisten Nestorianer traten jedoch im Laufe der Zeit zum Islam über. Nach der portugiesischen Besetzung Indiens im 16. Jahrhundert konvertierten die meisten dortigen Nestorianer, wie auch jene aus Mesopotamien, zum Katholizismus, der so genannten chaldäischen Kirche. Andere bekannten sich zu dem jakobitischen Patriarchen von Antiochia (Monophysiten) oder, wie jene aus dem Iran, seit 1912 zur russisch-orthodoxen Kirche. Während des 1. Weltkrieges starben etwa ein Drittel der verbliebenen Nestorianer den Hungertod oder wurden von Türken und Kurden getötet.

Heute leben die meisten Nestorianer – ihre Gesamtzahl beträgt etwa 175.000 – im Irak, in Syrien und im Iran, wo sie als Assyrer bezeichnet werden. Ihr Oberhaupt ist der Patriarch mit Sitz im Irak.