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Manichäismus


CC-BY  Francesco Ficicchia Nachschlagen

Von dem Perser Mani gegründete gnostische Religionsgemeinschaft. Mani wurde am 14.4.216 n.Chr. in der Nähe von Ktesiphon-Seleukia (Mesopotamien), der damaligen Hauptstadt des mächtigen (iranischen) Parther-Reiches (seit 224 Sâsâniden), geboren. Sein Vater schloss sich der juden-christlichen Täufergemeinde der Elchasaiten an, in der Mani groß wurde. Schon im 12. und später im 24. Lebensjahr erlebte er eine prophetische Berufung von seinem himmlischen »Zwilling«, die ihm vermittelte Offenbarung zu verkündigen und eine Kirche zu gründen. Nach Missionsreisen im heimatlichen Mesopotamien gelangte er 240/241 nach Indien (Industal). Nach Persien zurückgekehrt, präsentierte er seine Botschaft dem Sâsâniden-König Shâpur I. (242-272), die er als einigendes Band für den Vielvölkerstaat vorstellte. Darauf wurde Mani gestattet, die Lehre im gesamten Reich zu verbreiten, worin ihm großer Erfolg beschieden war. Unter Bahrâm I. (273-276) wendete sich jedoch unter dem stärkeren Einfluss des siehe Zoroastrismus die Gunst des Herrschers. Er warf Mani ins Gefängnis, wo er 276 oder 277 an den Folgen der Haft gestorben ist. In der Folge wurde der Manichäismus vom Zoroastrismus, aus dem Manis Lehre in Verbindung mit Elementen des siehe Mithraismus und des Christentums hervorging, heftig verfolgt.

Mani sah in seiner Lehre die Erfüllung der großen Religionen des Christentums, Zoroastrismus und Buddhismus, deren Botschaften seiner Ansicht nach im Laufe der Zeit verfälscht wurden. Er lehrte einen Dualismus von Gut und Böse, den beiden kosmischen Mächten. Ganz im Sinne des siehe Gnostizismus wertete er das gute Prinzip als geistig, das materielle hingegen als böse. Beide standen sich von Anfang an gegenüber, vermischten sich in der verderbten Welt und werden erst am Ende der Zeiten wieder getrennt. Das ursprünglich gute Reich, das Reich des Lichts, dem der Lichtvater vorsteht, befindet sich in einem ständigen Kampf mit dem bösen Reich, dem Reich der Finsternis. Der Mensch ist gefangen von den Mächten des Bösen, denen er durch Buße, Predigt und Ritus widerstehen muss, um erlöst zu werden. Im Laufe der Zeit befreit sich unter dem Wirken des »Großen Geistes« (nous) das gefangene »Licht« immer mehr aus dem Kosmos. Sein Einfluss führt in der Welt der Finsternis und des Bösen zu Kampf und Streit. Nach einem letzten »großen Krieg« erscheint Jesus als der endzeitliche Richter und trennt die Bösen von den Guten.

Die manichäische Kirche gliedert sich in fünf Stände: Apostel, Bischöfe, Presbyter Erwählte und Hörer. Die »Erwählten« (electi) führen ein mönchisches Leben, während die »Hörer« (auditores) im weltlichen Leben verbleiben. Um Erlösung zu erlangen, muss man dem Stand der Erwählten angehören, in den man durch eine positive Wiedergeburt gelangen kann. Unter den ethischen Prinzipien sind vor allem verdienstvolles Reden, Handeln und Denken oder Wort, Tat und Sinne gefordert.

Schon früh gelangte die Lehre in den Vorderen Orient (Syrien, Palästina und Ägypten [Ägypten war im 4. Jh. eine Hochburg des Manichäismus]). Bedeutsam wurde der Manichäismus vor allem im Römischen Reich, wo er in Italien, Illyrien (Balkan), Gallien, Spanien und Nordafrika stark verbreitet war. Doch auch hier sah er sich der staatlichen Verfolgung ausgesetzt, die schon unter Kaiser Diokletian (297) eingeleitet und später von den christlichen Kaisern fortgesetzt wurde. siehe Augustinus, der große Kirchenlehrer der Antike (354-430), gehörte vor seiner Bekehrung zum Christentum zehn Jahre dem Manichäismus an, den er danach heftig bekämpfte, obwohl er deutlich von seinem dualistischen Gedankengut beeinflusst war. In der Auseinandersetzung mit dem frühen Christentum erwies sich der Manichäismus als echte Konkurrenz, und zeitweilig schien es, dass er dieses beinahe hätte besiegen können. Im Römischen Reich ging die Lehre im 6. Jh. unter, lebte aber fort im Priszillianismus, Paulikianismus (siehe Paulikianer), Bogomilismus (siehe Bogomilen) und unter den Katharern (siehe Katharer).

Im Osten gelangte die Lehre Manis über die zentralasiatische Seidenstraße bis nach China, wo sie 762 zur Staatsreligion des Uiguren-Reiches (Gebiet des heutigen Westchinas und der Mongolei) erhoben wurde. Nach der Zerschlagung des uigurischen Reiches (840) lebte die Lehre bis zum 13. Jh. in Turfan (Kocho-Reich) und in der südchinesischen Provinz Fukien bis ins 16. Jh. fort.