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Hochaltar

Für die christliche Gemeinde ist der Altar der Ort, um den sie sich bei der Feier der Messe (Eucharistiefeier) versammelt. Über Jahrhunderte war das nicht möglich, weil der Altar in den meisten Kirchen an die Ostwand gerückt und mit allerlei Aufbauten versehen war. Einen solchen Altar nennt man Hochaltar. Als Konsequenz für die Feier der Messe ergab sich, dass der Priester am Altar mit dem Rücken zur Gemeinde stand.
Vor allem zwei Entwicklungen führten dazu, dass sich der Altar nicht mehr zwischen Priester und Gemeinde, sondern an der Rückwand befand. Einmal setzte sich die Ostung als Gebetsrichtung im Gottesdienst durch. Für die Christen war das Gebet in Richtung des Sonnenaufgangs ein Glaubensbekenntnis an Jesus Christus. Von dort erhoffte man sich seine Wiederkehr zum Gericht am Jüngsten Tag. Dementsprechend wurden auch die Kirchen nach Osten ausgerichtet. Das bedeutet, dass eine gedachte Linie vom Eingang zum Altar verlief von Westen nach Osten. Da auch der Priester in Richtung Osten betete, stand er mit dem Rücken zum Altar. Nach und nach wurden darum die Altäre in den Kirchen an die Ostwand verschoben. Außerdem veränderte sich die Eucharistiefrömmigkeit. Es wurde weniger wichtig, das eucharistische Brot im Rahmen der Messe zu empfangen als es anzusehen und anzubeten, auch außerhalb der Messfeiern. Als Tisch für das eucharistische Mahl der Gemeinde hatte der Altar so fast überall ausgedient. Der an die Ostwand gerückte Altar wurde mit Bildern, Heiligenfiguren, Kerzen und Blumenschmuck umgeben. Aufbauten mit Säulen und Nischen für Reliquien, Figuren und Bildern wurden auf den Altar gesetzt. In der Barockzeit fügte man schließlich einen Tabernakel in die Aufbauten ein, eine Art Schrank, in dem das eucharistische Brot aufbewahrt und angebetet werden konnte. Der eigentliche Altar erschien so nur noch wie ein Unterbau und fast als Nebensächlichkeit. Erst die Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils (1962-1965) (siehe Zweites Vatikanisches Konzil) korrigierte diese Fehlentwicklungen und rückte den Altar wieder in die Mitte der Gemeinde. Da man die oft (kunsthistorisch) wertvollen Hochaltäre nicht abbrechen wollte, ließ man sie in der Regel stehen und errichtete einen neuen Altar mit der Grundform eines Tisches. Der Tabernakel des Hochaltares kann nach wie vor für die Aufbewahrung des eucharistischen Brotes benutzt werden.

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