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Friedrich Nietzsche


CC-BY  Nina Blank Nachschlagen

Friedrich Nietzsche wurde am 15. Oktober 1844 in Röcken (Sachsen) geboren. Sein Vater Carl Ludwig Nietzsche, der evangelische Pfarrer des Ortes, starb, als Nietzsche fünf Jahre alt war.
Durch den Tod des Vaters musste die Familie umziehen. Nietzsche berichtete später, dass ihm der Wechsel vom geräumigen Landhaus in die enge Wohnung in Naumburg schwer gefallen sei. Das Gefühl der Einsamkeit und des Andersseins sollen bereits hier im Denken und Handeln des Kindes ausgeprägt gewesen sein.
Von 1858 bis 1864 erhielt Nietzsche am Gymnasium in Naumburg seine Schulausbildung. Danach schloß sich, in der Tradition des Vaters bleibend, ein Studium der Theologie und der klassischen Philologie an.
Die Grundlagen seines wachsenden Zweifels am Christentum dürften allerdings schon in der Schulzeit gelegt worden sein, denn schon als Schüler las Nietzsche »Das Leben Jesu« und widmete sich anschließend selbst der Quellenkritik des Neuen Testaments. Theologische Veranstaltungen, die er begleitend zum Studium besuchte, förderten seinen Zweifel am Glauben. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Distanz zum Christentum sich allmählich vollzog. Nietzsche selbst sah diesen Prozess als ruhige und schmerzlose Befreiung.
Bereits als Schüler litt Nietzsche an starken Kopf- und Augenschmerzen, die sich später zu migräneartigen Anfällen, teilweise mit Bewußtlosigkeit, steigerten. Sein Krankheitsbild änderte sich ständig. Euphorische Phasen mit höchster Produktivität wechselten mit Phasen der Leere und Depression ab.
Der endgültige Zusammenbruch kam 1889. Bis zu dem Tod 1897 seiner Mutter lebte Nietzsche bei ihr und anschließend nahm ihn seine Schwester zu sich nach Weimar. Am 25. August 1900 starb dort Friedrich Nietzsche und wurde auf dem Friedhof in Röcken begraben.
Nietzsche wurde von der Kultur der griechischen Antike, dem Philosophen Arthur Schopenhauer, Aristoteles, Platon und Charles Robert Darwins Evolutionstheorie geprägt.
Betrachtet man die Religionskritik Nietzsches, so markiert den Höhepunkt seiner Kritik die Parabel vom tollen Menschen in der »Fröhlichen Wissenschaft« (entstanden 1881-1882). Nietzsches Religionskritik zielt gleichermaßen auf die Metaphysik der theologischen Philosophie, wie auf die Gotteslehre der christlichen Theologie. Seiner Meinung nach, gestaltet der Mensch sein Leben selbst, ohne jenseitige Welt und ohne Götter. Der Mensch, der an die Erde gebunden ist, so Nietzsche, darf sich nicht mit irgendwelchen Zielen in der fernen Zukunft abgeben. Er sagt ja zu einem Leben im Werden und Vergehen in der gegenwärtigen Welt. Es gibt kein Organ, mit dem eine andere Welt erkennbar wäre. Der Mensch ist bei seinen Erkenntnismöglichkeiten auf das Diesseits reduziert. Die Frage nach der Erkenntnis einer Welt, die hinter oder jenseits unserer erfahrbaren Realität sein könnte, verneint Nietzsche.
In der »Fröhlichen Wissenschaft« macht er deutlich, dass der Mensch als Schöpfer von Gott auch letztlich diesen Gott zu beseitigen hat. Götterbilder verschwinden nicht einfach, indem die Gedanken sich verändern, es ist eine Art Tötung, die geschehen muss. Mit dem Tod Gottes verschwinden Sinngebung und Sicherheit, die über Jahrhunderte selbstverständlich waren. Die Menschen müssen in Zukunft ohne religiöse Sinngebung, ohne Erleuchtung klarkommen. Der göttliche Grund für Sinn und Wahrheit entfällt. Was den Menschen in Grenzen einschloss gibt es nun nicht mehr. Diese folgende Orientierungslosigkeit kann nur bewältigt werden, wenn die Menschen selbst den Platz Gottes einnehmen. Die neue Perspektive ist somit der »Übermensch«. Mit dem Übermenschen soll dem Leben nach dem Tod Gottes ein neuer Sinn gegeben werden.
Mit der Kritik an den Werten, an der bisherigen Moral und an der Religion wird die Möglichkeit von Antworten nun ausgeschlossen. Das Ergebnis ist die extremste Form des Nihilismus. Nietzsche unterscheidet zwischen einem Nihilismus der Stärke und einem der Schwäche. Die Überwindung des Nihilismus geschieht im Denken und im Tun. Der Weg, den er hierbei aufzeigt, weist die bereits beschriebene Richtung zum Übermenschen.