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Afrikanische Religionen


CC-BY  Heinz-Jürgen Deuster Nachschlagen

Afrikanische und afrika-abgeleitete Religionen bilden eine große Gruppe von Glaubensauffassungen und Praktiken, die sich auf überlieferte einheimische Traditionen der südlich der Sahara lebenden Afrikaner bezieht. In den letzten 100 Jahren ist der Einfluss dieser einheimischen Religionen durch die Kolonisation, den Einfluss der westlichen Kultur und der Ausbreitung des Islams und des Christentums stark gesunken. In der afrikanischen Diaspora, besonders in Amerika, dagegen wächst die Zahl der Anhänger von Afrika abstammenden Glaubensrichtungen stark an.
Besonders in Amerika entwickelt sich zunehmend eine afrikanische Spiritualität. Überlieferte Praktiken, die noch von den Sklaven von Afrika mitgebracht wurden, wurden verwoben mit den religiösen Traditionen der Sklavenbesitzer. Diese Verwebung findet man besonders in Gegenden mit vorwiegend katholischem Glauben und wo man Heilige verehrt, Opfergeschenke bereitet, also alle Praktiken gefunden werden, die ähnlich denen in den afrikanischen Traditionen sind.
Die Entwicklung afrikanischer Spiritualität in Amerika entstand besonders auf den Karibischen Inseln und in Brasilien und mit weniger starkem Ausmaß in Mexiko. Beeinflusst durch lokale Kulturen (Spanische, Portugiesische, Französische, Englische und Eingeborene) sind eine Unmenge von Begrifflichkeiten entstanden, die für die gleiche religiöse Handlung oder das gleiche Ritual unterschiedliche Namen haben, je nach Gegend. Es ist gegenwärtig unmöglich, eine einheitliche Informationsquelle zu finden, die dieses Gemenge klärt.

Die meisten der afikanischen spirituellen Traditionen in Amerika lassen sich von zwei oder drei wichtigen Kulturen des traditionellen Afrika ableiten.

  • 1. Die Yoruba-Kultur in Nigeria, Benin und angrenzenden Gegenden hatte womöglich den größten Einfluss. Der Hauptglaube den man unter den Yorubaleuten findet ist der Glaube an Ifa (das auch der Name für Gott ist, wie auch Olorun oder Olodumare).
  • 2. Santeria (Lukumi, Macumba) entwickelte sich vor allem auf Kuba, wo Versuche scheiterten, den Glauben zu unterdrücken. Dieser Glaube ist nun überall in Amerika zu finden, besonders in den großen Städten wie Los Angeles, Miami und New York. Bis auf die rituelle Opfergaben von Tieren (meistens Hühner, die später gegessen werden) unterscheidet sich Santeria sehr wenig von anderen Ifa-abgeleiteten Traditionen.
  • 3. Ein bisschen weiter südlich in Afrika im Kongo, Zaire und in Angola bilden die Bantu und andere Kulturen einen weiteren Strang afrikanischer Spiritualität, die in der Neuen Welt (speziell in Kuba und Brasilien) als Kongo, Palo Monte, Palo Mayombe, Xango (Shango), Quimbanda, Umbanda und vielen anderen Namen bekannt ist. Es gibt mit dem Yoruba-Glauben einige Gemeinsamkeiten, aber auch wesentliche Unterschiede, sie haben sich aber auch gegenseitig beeinflusst.
  • 4. Ein weiterer Strang afrikanischer Spiritualität ist bekannt unter der Bezeichnung Vodou oder Wodo oder dem Vodun-Kult. Seine religiöse Ausformung hat seine Wurzeln in Benin (wo sie erst 1989 von der Regierung anerkannt wurde). Mehr als Yoruba oder der Kongo-Glaube wurde Vodou durch den Katholizismus beeinflusst und durch die spiritistische Bewegung, die sich im 19.Jahrhundert von H. Rivail (1804-69) in Frankreich entwickelte.

Afrikanische und afrikanisch abgeleitete Religionen zeigen in vielen Punkten auffällige Gemeinsamkeiten mit dem eingeborenen Glauben der amerikanischen Indianer, dem Schamanismus. Viele Praktiken können zwischen diesen Glaubenssträngen hin und hergeschoben werden.
Rastafarianismus (siehe Rastafari-Religion) ist hier nur in soweit mit aufgeführt, weil dies häufig so geschieht. R. hat absolut keine nähere Beziehung zu irgendeinem Glauben, der aus Afrika stammt. Zum größten Teil stammt R. von einem Amerikaner (Marcus Garvey), der afrikanische Traditionen aufnahm, um dem gesamten Gebilde Bedeutung und Geschichte zu geben. Es ist hauptsächlich eine bibelorientierte, christianisierte Bewegung gegen die durch die Weißen bestimmte Kultur und in der der verstorbene Kaiser Haile Selassie von Äthiopien) als Gott betrachtet wird. Es ist zweifelhaft, ob der Kaiser irgendetwas mit dieser Religion zu tun hatte.